VEREINSGESCHICHTE
Bereits vor dem Jahre 1912 gab es eine Musikkapelle in Hochdorf, die auch bei Veranstaltungen anderer Vereine mitwirkte. Zeugnis hierfür gibt eine Eintragung im Protokollbuch des Turnvereins um die Jahrhundertwende.Hauptinitiator der ordentlichen Vereinsgründung war der Kronenwirt Friedrich Zinßer - selbst aktives Mitglied und erster Vizedirigent des neugegründeten Vereins.
Bei Betrachtung des Gründungsprotokolls sieht man, daß auch der Musikverein Hochdorf klein angefangen hat. Mit 7 aktiven und 27 passiven Mitgliedern wurde der Verein am 30. Oktober 1912 aus der Taufe gehoben. Der Kronensaal gab als Probelokal und bei Veranstaltungen dem MV über viele Jahrzehnte ein Zuhause.
Viel war zu tun für den 1. Vorsitzenden Gottfried Mürdter. Strenge Disziplin wurde satzungsmäßig verankert. Besonders die aktiven Musiker wurden dabei besonders berücksichtigt. Hier einige Auszüge: Unentschuldigtes Fehlen 50 Pf. Buße, Zuspätkommen mehr als 15 min. 20 Pf. Buße. Die aktiven Musiker sind vom Beitrag befreit, haben jedoch die Kosten des Dirigenten zu tragen.
Herr Pauli, ein Militärmusiker, wurde erster Dirigent und bemühte sich den Verein musikalisch aufzubauen.
Der erste Weltkrieg
Der im Jahre 1914 beginnende 1. Weltkrieg brachte das Vereinsleben fast zum erliegen. Immer mehr Mitglieder mussten an die Front, so daß ein geregelter Probenbetrieb nicht mehr möglich war.
Der zweite Anlauf
Bestandsaufnahme nach dem 1. Weltkrieg ergab einen Kassenbestand von 2,51Mark, 26 Mitglieder haben den Krieg überlebt. Bis Ende 1919 erlebte der Musikverein einen sprunghaften Anstieg seiner Mitgliederzahl. Mit 80 Mitgliedern ging es an den Neuaufbau. Bei diesen Männern der zweiten Stunde waren viele,die über die nächsten Jahrzehnte das Vereinsgeschehen wesentlich beeinflußten wie z.B. Friedrich Roos, Karl Etzel, Carl Bidlingmaier, Carl Birk, Wilhelm Schmid und Ernst Schurer. Wilhelm Fischer aus Deizisau, Dirigent von 1920-25, sorgte sich um den musikalischen Aufbau der nun 10 Mann starken Kapelle. Doch wer nach den entbehrungsreichen Jahren an einen langsamen Anstieg des Lebensstandards dachte, wurde enttäuscht.
Inflation
Der Monatsbeitag von 50 Pf. 1921 und von 500 Mark 1923 spricht eine deutliche Sprache. Inflation und Arbeitslosigkeit waren die ständigen Weggefährten für das nächste Jahrzehnt. Das 10-jährige Jubiläum fiel aus. Es gab nichts zu feiern.
Mit Wilhelm Schneider, Musikdirektor aus Kirchheim, begann 1926 eine überaus erfolgreiche Zeit für den MV Hochdorf. Mit ihm erwarben sich unsere Musiker schnell einen ausgezeichneten Ruf in und um Hochdorf herum. Wie hart und bitter diese Zeit jedoch war, gibt der Eintrag von Albert Etzel im Protokollbuch wieder, der dies anlässlich des 20-jährigen Jubiläums machte:
“Wir sind in ein Jahr eingetreten, das mit tonloser Stimme die Worte 6 Millionen Arbeitslose hinausschreit, das durchseucht ist von politischem Terror und Parteienhass, in einem gesagt ein Jahr des Jammers, Elends und der Verzweiflung. Aber trotzdem wollen und dürfen wir mit goldenen Lettern den Sinnspruch schreiben: Im Reiche der Töne erblühe das Schöne. Dem Gott sei Dank haben sich in unserem Verein die parteipolitischen Traurigkeiten noch nicht eingeschlichen. Noch nie war unsere Spielerschar auf einer solch hochstehenden musikalischen Stufe wie gerade jetzt. Ich beginne das zweite Jahrzehnt mit den Worten: So einig wie bisher bleibt allezeit.”
Doch nicht nur solche gewichtigen Worte findet man im Protokollbuch. Auch so mancher Hitzkopf wurde darin verewigt. So z.B. ein Klarinettist, dessen Instrument bei einer Vereinswanderung auf dem Kopf eines anderen Teilnehmers zerbrach. Der so schlagfertige Musiker mußte die Reparatur und den Vereinsausschluß in Kauf nehmen.
Machtübernahme der NSDAP
Machtübernahme durch die NS schränkte die freie Entfaltung des Vereins nach und nach ein. Gespielt werden musste nun auch bei Parteiveranstaltungen. Der Besuch der Proben war Pflicht. Im Jahre 1940 wurde von Amts wegen verfügt, daß jeder Musiker verpflichtet sei, die Proben pünktlich zu besuchen. Widrigenfalls sei mit einer Bestrafung zu rechnen. Der sich immer weiter ausdehnende 2. Weltkrieg machte dem Vereinsleben schnell ein Ende. Die letzte Eintragung ist vom 02.04.1941: “Vorbereitung der am 06.04.1941 stattfindenden Generalversammlung. Tagesordung: Lagebericht Vorstand, Schriftführer und Kassier.” Diese Versammlung konnte nicht mehr stattfinden. Es gab nichts mehr zu berichten. Was zu berichten war, bestimmte die Partei.
Der dritte Anlauf
Neubeginn 1946 - wieder ist es Friedrich Zinßer, der die Initiative ergreift und mit Wilhelm Schmid den Neuaufbau beginnt. Die Worte, die Wilhelm Schmid anlässlich der ersten Generalversammlung sprach, sollen uns Erinnerung und Mahnung sein:
”Mit dem heutigen Tage beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Musikvereins. Der Krieg ist zu Ende. Das Krachen der Bomben und Granaten hat aufgehört. Wir, die wir hier sein dürfen, haben das Glück gehabt, wieder in die Heimat zurückzukehren. Von allen Ländern Europas, ja sogar vom asiatischen Sibirien sind wir wieder in unseres schönes Heimatdörfchen zurückgekommen. Manchmal hat der Tod uns gestreift, wir haben gelitten und entbehrt. Nun sind wir zurück und finden Schutt und Trümmer, Not und Elend. Das Land ist vollgestopft mit Menschen, die vielfach alles verloren haben. Angesichts dieser Tatsachen ist es schwer, an eine neue glückliche Zukunft zu glauben. In Zukunft wollen wir uns in keiner Weise mehr innerhalb der Musik an eine Partei binden. Aber unsere Vergangenheit verpflichtet uns, daß wir uns den demokratischen Kräften zur Verfügung stellen. Und nun wollen wir uns wieder daran machen, gute und schöne Volksmusik zu pflegen, die uns über den grauen Alltag hinweghilft.”
Am 26.09.1948 verzeichnet das Protokoll das erste Gartenfest nach dem 2. Weltkrieg. Umgesetzt wurden 650l Bier. Vom Erlös wurde sofort ein Tenorhorn gekauft. Gelebt wurde von der Hand im Mund. Keine gute Zeiten für den Kassier. Doch Friedrich Roos verstand es mit Geschick und unter persönlichen Opfern, die Vereinskasse einigermassen flüssig zu halten. Viele Instrumente wurden von ihm gekauft und dem Verein leihweise zur Verfügung gestellt.
Die Währungsreform
Nach der Währungsreform begann die Zeit der Stabilisierung und der Konsolidierung. Die stabile Währung erlaubte es wieder, mit Zuversicht unser 40-jähriges Jubiläum zu planen. Musikkapellen und die örtlichen Vereine beteiligten sich 1952 an unserer Geburtstagsfeier. Bei herrlichem Sommerwetter wurde dieses Fest zu einem großen Erlebnis.
Abschied von Musikdirektor Wilhelm Schneider
Wilhelm Schneider, nun fast 75 Jahre alt, gibt nach 26 Jahren seinen Taktstock an Ernst Harrant aus Plochingen weiter.
Am 18. April findet in der Turnhalle ein Abschiedskonzert statt. Noch einmal erklingen Wilhelm Schneiders Kompositionen, gespielt von “seinen” Hochdorfer Musikern, bevor er sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückzieht.
Mit Ernst Harrant konnte der Musikverein wiederum einen engagierten Dirigenten gewinnen, der seinen Musikern alles abverlangte. Grosse Erfolge bei Bundes- und Bezirkswertungsspielen konnten in den nun folgenden Jahren errungen werden.
Am 2. und 3. Juni 1956 konnte der MV das Bezirksmusikertreffen durchführen.Wie schon bei früheren Veranstaltungen trug auch der Gesangverein Frohsinn Hochdorf; unter der Leitung von Heinrich Ebner zum Gelingen des Festes bei.
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte war auch eine Musikkapelle aus dem Ausland eingeladen. Mit grosser Spannung wurde auf das Auftreten der Gäste aus Oberlangkampfen gewartet. Unter der Leitung ihres Dirigenten Anton Egger spielten sie sich schnell in die Herzen der Hochdorfer. Daß aus diesem ersten Kontakt eine bleibende Freundschaft wird, konnte damals noch niemand ahnen.
Die grossen Erfolge unter der Leitung von Ernst Harrant nahmen ein jähes Ende, als dieser nach einem Verkehrsunfall am 12. Juli 1959 verstarb.
Sein Nachfolger, Musiklehrer Rolf Hempel aus Esslingen, stellte sich in Hochdorf beim Weihnachtskonzert vor. Eine besondere Note erhielt dieses Konzert durch Einlagen von Frl. Unger und H. Barth - Gesang - sowie Herrn Hampl, Frau Hempel am Klavier.
1962 konnte unter Beteiligung von zwei ausländischen Kapellen der 50ste Geburtstag gefeiert werden. Die Musikkapellen aus Oberlangkampfen und Bruck a.d.M. und befreundete Kapellen aus der Umgebung sowie die örtlichen Vereine wirkten an unserem Feste mit. Im Jahr 1963 konnten wir noch einmal die Musiker aus Bruck in Hochdorf begrüssen.
Beim Bezirksmusikfest am7.7.1963 in Kirchheim wurde unser Vereinsgründer und Gründungsmitglied des Bezirks Teck-Fils, Friedrich Zinßer, mit der Bundesfördermedaille in Gold ausgezeichnet.
1964 besuchte uns die Bergmannskapelle aus Breitenau in der Steiermark, die nicht nur durch ihre schmucken Uniformen unser Sommerfest belebten, sonderm mit hohem musikalischen Niveau ihre Zuhörer begeisterten.
Als einzige Bergknappin wirkte dabei die 15-jährige Monika Wilflinger mit, die später unseren ehemaligen 1. Vorsitzenden und Dirigenten Willi Eberle heiratete.
1966 übergab Rolf Hempel den Dirigentenstab an Ernst Majo, der wie Wassili Jelinek nur jeweils ein Jahr in Hochdorf tätig war.
Mit Beginn der Tätigkeit von Kapellmeister Max Roch aus Stuttgart kehrte wieder Ruhe in den Verein ein.
Im 77. Lebensjahr verstarb Friedrich Zinßer am 13.04.1970. Mit ihm verlor der MV einen grossen Idealisten und Förderer der Blasmusik.
Das Jahr 1972 brachte 2 Höhepunkte Die Teilnahme am Kreisblaskonzert gemeinsam mit der Stadtkapelle RSK Esslingen unter der Stabführung von Max Roch und die Feier zum 60-jährigen bestehen des Vereins.
Im Jahr 1972 feiert der Musikverein Hochdorf sein 60 jähriges Jubiläum. Anläßlich des Jubiläums werden Friedrich Roos, Carl Bidlingmaier und Wilhelm Schmid mit der Bundesförderermedaille in Gold ausgezeichnet. Rechtzeitig zum Jubiläum sind auch die neuen Uniformen fertig geworden, so dass sich die Musiker in ihrer neuen Bekleidung der Öffentlichkeit zeigen können. Unter grossem personellen und finanziellem Aufwand wird im Jahr 1978 eine Jugendkapelle mit zeitweise über 50 Jungmusikern unter der Leitung von Wolfgang Bauer aufgebaut. Beim Kreiswertungsspiel in Großbettlingen konnten die Jugendlichen 1979 für ihre musikalischen Darbietungen ausgezeichnet werden. Das aktive Orchester unter Leitung von Max Roch erspielt erstmalig in der Vereinsgeschichte in der Höchststufe einen 1. Rang.
In den folgenden Jahren prägten immer mehr öffentliche Auftritte und auch die Teilnahme an Wertungsspielen sowie Kontakte zu befreundeten Kapellen aus der Umgebung und im Ausland das musikalische Engagement des Vereins.
Das 75 jähriges Jubiläum im Jahr 1987 wurde mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt sowie einem Festzug gefeiert. Befreundete Kapellen aus der Umgebung und die Gastkapelle aus Oberlangkampfen umrahmten die Feierlichkeiten. Gleichzeitig übernahm in diesem Jahr Rolf-Dieter Hötzel die Vorstandschaft. In den folgenden Jahren setzte er sich erfolgreich für eigene Proberäume in der neu erbauten Breitwiesenhalle ein. Darüberhinaus sammelte er Spenden, um die in die Jahre gekommene Uniform auszutauschen. Nach 10 jähriger Tätigkeit als 1. Vorsitzender übergab Rolf Dieter Hötzel im Jahr 1997 die Vereinsführung an Markus Niebauer. Rolf Dieter Hötzel wurde aufgrund seiner wertvollen und langjährigen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Die folgenden Jahre standen ganz im Zeichen der Konsolidierung und Stabilisierung des Vereins. Im Jahr 2000 wurde das traditionelle Musikfest gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Hochdorf anlässlich des 125 jährigen Jubiläums der Feuerwehr veranstaltet. Auch die Bundesmusikkapelle aus Oberlangkampfen war wieder dabei. Am Festzug nahmen viele Feuerwehren und Musikvereine teil.
Auch in der Jugendarbeit verzeichnete der Verein in den letzten Jahren einen immer größer werdenden Boom. Von musikalischer Früherziehung bis zum aktiven Musiker in der Jugendkapelle reicht das Angebot.
Eine der herausragendsten Auszeichnungen war die erfolgreiche Teilnahme des Musikvereins am Kreiswertungsspiel in Neuffen im vergangenen Jahr. Das Orchester unter Leitung unseres jetzigen Dirigenten Rolf Eschenbächer erreichte in der Oberstufe die Note sehr gut.
Nach dieser ereignisreichen und auch wechselhaften Vereinsgeschichte verzeichnet der Musikverein Hochdorf in seinem Jubiläumsjahr 2002 eine kontinuierliche Stabilität des Vereinsgeschehens und des musikalischen Engagements.
Im Jahr 2006 übernahm Uwe Eberspächer das Amt des Dirigenten in Hochdorf.
Bereits zwei Jahre später ereichte das Blasorchester unter Leitung von Uwe Eberspächer beim Wertungsspiel in Heilbronn - Untergruppenbach in der Oberstufe die Note "mit sehr gutem Erfolg teilgenommen"
Im Mai 2008 haben wir dieses Bild im Schulhof der neu sanierten Breitwiesenschule aufgenommen.